Kategorie: Gastbeiträge

Kunst als Zeugenschaft – vom Theaterraum zur Sichtbarmachung der Situation der Menschen im Iran

Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe unabhängig von unseren aktuellen Schwerpunkten mit Menschenrechten auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag von Solmaz Gholami.

Für mich als Iranerin und als Mitglied von Amnesty International ist es wichtig, genauer auf mein Umfeld zu schauen und zu sehen, was iranische Landsleute sogar im Exil für Iran tun. Diese Aufmerksamkeit ist selbst Teil einer zivilgesellschaftlichen Bewegung, die keine geografischen Grenzen kennt und in unterschiedlichen Formen von politischem und sozialem Handeln bis hin zu Kunst und Narration fortgesetzt werden kann.

Auf diesem Weg entstand für mich die Frage, wie ich als Aktivistin eine wirksamere Rolle einnehmen kann, wie man genauere und greifbarere Informationen über das, was im Iran geschieht, an andere vermitteln kann, wie man zeigen kann, welche Anstrengungen wir Iraner*innen im Ausland für unsere Bevölkerung und unser Land unternehmen, und wie sich zwischen den fragmentierten Erfahrungen des Exils, dem kollektiven Gedächtnis und der zivilen Verantwortung eine lebendige Verbindung herstellen lässt.

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Keine Scherze, sondern Forderungen: Die harte Realität hinter den Sizdah-Bedar-Wünschen

Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe unabhängig von unseren aktuellen Schwerpunkten mit Menschenrechten auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag von Solmaz Gholami.

„Diktatoren sind verschwunden. Die Islamische Republik und die Revolutionsgarde existieren nicht mehr. Alle politischen Gefangenen sind freigelassen worden. Es gibt keine Hinrichtungen mehr im Iran.“

Das sind keine „Sizdah-Bedar-Scherze“. Im iranischen Kulturkreis ist „Sizdah Bedar“ in gewisser Weise mit dem 1. April in westlichen Ländern vergleichbar. Ein Tag, an dem auch Scherze und erfundene Geschichten verbreitet werden. Seit mehr als sechzig Jahren wird diese Tradition von iranischen Journalist*innen gepflegt. Die zeitliche Nähe zum 1. April hat dazu beigetragen, dass an diesem Tag, der eigentlich ein Fest der Natur, der Freude und der Hoffnung auf Fruchtbarkeit ist, auch spielerisch mit Nachrichten umgegangen wird. Doch was hier gesagt wird, ist kein Scherz.

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Saudi-Arabien 10 Jahre nach „Das Mädchen Wadjda“

Heute haben wir den Spielfilm „Das Mädchen Wadjda“ der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour im Endstation Kino gezeigt. Er handelt von der 11-jährigen Wadjda, die sich nichts mehr wünscht, als ein Fahrrad zu besitzen und dieses Ziel gegen alle Widerstände verfolgt. Der Film ist 2012 erschienen und vielfach ausgezeichnet worden. Es handelte sich um den ersten abendfüllenden Film unter saudi-arabischer Regie überhaupt. Der Spiegel schrieb über den Film: „‚Das Mädchen Wadjda‘ ist voller alltäglicher Beobachtungen, die einen hermetisch abgeriegelten Kosmos erfahrbar machen. Es ist diese Binnenperspektive, die den Film so spannend macht. Er biedert sich nicht beim Westen an und vermeidet Entrüstungsgesten. Mansur zeigt einfach, was es bedeutet, als Frau in Saudi-Arabien zu leben.“

Wie steht es um die Situation der Frauenrechte in Saudi-Arabien heute, 10 Jahre nach der Veröffentlichung des Films?
Ein Beitrag von Julia Machtenberg

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Was geschieht in Myanmar?

Landkarte von Myanmar

Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe mit Themen außerhalb der derzeitigen Gruppenarbeit auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag von Celine Schmitt.


Mehr als 100 Tage nach dem Militärputsch in Myanmar sind mindestens 782 Menschen in Verbindung mit dem brutalen Vorgehen der Militärjunta ums Leben gekommen (Stand 11.05.2021). Die Festsetzung von mindestens 3740 Menschen sowie das Verhängen von 25 Todesurteilen (20 davon in Abwesenheit der Angeklagten), alarmieren Menschenrechtsschützer und verlangen nach einem Handeln der internationalen Staatengemeinschaft.

Trotz Versammlungsverbot und Ausgangssperre haben sich die Demonstranten mit ihrer legitim gewählten Regierung solidarisiert und protestieren nun seit dem ersten Tag des Militärputsches, um die Grundprämissen der Demokratie einzufordern. Dem entgegnet die Militärjunta wiederholt mit der Missachtung der Menschenrechte, der Rechtsstaatlichkeit und gefährdet somit den Frieden innerhalb des südostasiatischen Landes. Die zunehmende Destabilisierung durch die brutale Niederschlagung der Proteste kann laut UN und anderen Menschenrechtsorganisationen in einen Bürgerkrieg umschlagen.

Für all dies ist der ausschlaggebende Punkt, dass die Bevölkerung lediglich die von ihnen gewählte und auch durch die Wahlkommission legitimierte demokratische Regierung an der Spitze ihres Landes sehen möchte.

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Der Fall Assange – Ein chronologischer Überblick

Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe mit Themen außerhalb der derzeitigen Gruppenarbeit auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag.


Die Internetplattform „WikiLeaks“ geriet im Oktober 2010 durch die Herausgabe von fast 400.000 geheimen Dokumenten der US-Streitkräfte und des Geheimdienstes zum Irak-Krieg, in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Dokumente, welche nach Aussagen von WikiLeaks hauptsächlich von jungen Feldoffizieren niedergeschrieben wurden, bilden den Zeitraum vom 01.Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2009 ab. Die Materialien führen zum einen zahlreiche Fälle auf, in welchen US-Soldaten Hinweise über Misshandlungen, Folterungen und Morde durch irakische Sicherheitskräfte ausschließlich dokumentiert und ihre Vorgesetzten darüber informiert haben und berichten ebenso über bis dahin unbekannte Zwischenfälle, bei denen mehr als 15.000 Zivilisten getötet worden seien. WikiLeaks-Gründer Julian Assange verteidigte die Publikation unter anderem dadurch, dass wie auch zuvor, bei den Dokumenten zum Afghanistan-Krieg, niemand gefährdet werde, da die Materialien bearbeitet wurden.

Die USA werfen ihm Beihilfe zur Veröffentlichung geheimer Dokumente vor. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten würden Julian Assange 175 Jahre Haft drohen.

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Corona-Impfungen: Wie kann der Impfstoff global gerecht verteilt werden?

Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe mit Themen außerhalb der derzeitigen Gruppenarbeit auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag von Marius Rogall.


Nachdem die europäische Arzneimittelbehörde Ende Dezember dem ersten Impfstoff gegen das Coronavirus eine bedingte Marktzulassung erteilt hatte, stiegen in Deutschland die Hoffnungen auf ein absehbares Ende der Pandemie. Die Bundesregierung stellte zuerst für Mitte des Jahres, jetzt bis zum Ende des dritten Quartals, allen Bürger*innen ein Impfangebot in Aussicht. Trotzdem gab es in den letzten Wochen Kritik an der deutschen Impfstrategie. Das Impftempo sei im internationalen Vergleich viel zu langsam. Und tatsächlich sind in anderen Industrieländern, wie der USA oder Großbritannien, schon größere Anteil der Bevölkerung geimpft als in Deutschland.

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