Kunst als Zeugenschaft – vom Theaterraum zur Sichtbarmachung der Situation der Menschen im Iran
Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe unabhängig von unseren aktuellen Schwerpunkten mit Menschenrechten auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag von Solmaz Gholami.
Für mich als Iranerin und als Mitglied von Amnesty International ist es wichtig, genauer auf mein Umfeld zu schauen und zu sehen, was iranische Landsleute sogar im Exil für Iran tun. Diese Aufmerksamkeit ist selbst Teil einer zivilgesellschaftlichen Bewegung, die keine geografischen Grenzen kennt und in unterschiedlichen Formen von politischem und sozialem Handeln bis hin zu Kunst und Narration fortgesetzt werden kann.
Auf diesem Weg entstand für mich die Frage, wie ich als Aktivistin eine wirksamere Rolle einnehmen kann, wie man genauere und greifbarere Informationen über das, was im Iran geschieht, an andere vermitteln kann, wie man zeigen kann, welche Anstrengungen wir Iraner*innen im Ausland für unsere Bevölkerung und unser Land unternehmen, und wie sich zwischen den fragmentierten Erfahrungen des Exils, dem kollektiven Gedächtnis und der zivilen Verantwortung eine lebendige Verbindung herstellen lässt.
Film und Frauenrechte in Indien, Pakistan und Bangladesch
In Kooperation mit dem Institut für Medienwissenschaften an der Ruhr-Universität und dem Endstation Kino Bochum beschäftigen wir uns erneut mit Frauenrechten im Film, diesmal mit Fokus auf Indien, Pakistan und Bangladesch, nachdem wir uns im letzten Semester mit Afghanistan und Iran auseinandergesetzt hatten. Im Rahmen des Seminars zeigen wir von April bis Juni im Endstation Kino sechs Filme mit anschließendem Filmgespräch, zu dem auch Nicht-Teilnehmende des Seminars herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist an den meisten Terminen frei, wir freuen uns jedoch über Spenden.
Die Termine:
- 29. April: Biriyaani (Indien, 2020)
- 13. Mai: The Great Indian Kitchen (Indien, 2021)
- 27. Mai: Feminichi Fathima (Indien, 2024)
- 10. Juni: Joyland (Pakistan, 2022)
- 24. Juni: Made in Bangladesh (Bangladesh, 2019)
- 15. Juli: Was werden die Leute sagen (Pakistan, 2017)
Der Film beginnt jeweils um 18 Uhr und wird in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt.
Infostand zum Tag der Arbeit
- Datum1. Mai 2026 11:30 – 15:00 Uhr
- Rathausplatz Bochum
Wir beteiligen uns mit einem Infostand beim Familienfest nach der Demo und Kundgebung des DGB zum 1. Mai.
Dabei werden wir auch auf die Rechte von Textilarbeiterinnen in Bangladesch und Pakistan aufmerksam machen: Die Bekleidungsindustrie ist ein globaler Wirtschaftsriese mit einem Umsatz von rund einer Billion US-Dollar im Jahr. Weltweit arbeiten fast 100 Millionen Menschen in dieser Branche – die große Mehrheit von ihnen sind Frauen. Viele dieser Arbeiterinnen müssen von Hungerlöhnen leben und unter prekären, gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten. In Ländern wie Bangladesch und Pakistan basiert die Lieferkette großer Modemarken auf der strukturellen Ausbeutung einer überwiegend weiblichen Belegschaft. Das bestehende Wirtschaftsmodell nutzt billige, austauschbare Arbeitskräfte aus Ländern des Globalen Südens aus, um die Profite von Modemarken und Einzelhandel im Globalen Norden zu maximieren. Armut, unsichere Beschäftigung und gefährliche Arbeitsbedingungen sind ein fester Bestandteil dieses Systems. Durch die massive Einschränkung der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit wird verhindert, dass Arbeiterinnen ihre Rechte kollektiv erkämpfen und verteidigen und für bessere Arbeitsbedingungen eintreten können.
Unterzeichnet die Amnesty-Petition für die Rechte von Textilarbeiter*innen in Südasien! (Englisch)
Keine Scherze, sondern Forderungen: Die harte Realität hinter den Sizdah-Bedar-Wünschen
Dieser Beitrag gehört zu einer losen Reihe, in der sich Aktive der Bochumer Amnesty-Gruppe unabhängig von unseren aktuellen Schwerpunkten mit Menschenrechten auseinandersetzen. Ein Gastbeitrag von Solmaz Gholami.
„Diktatoren sind verschwunden. Die Islamische Republik und die Revolutionsgarde existieren nicht mehr. Alle politischen Gefangenen sind freigelassen worden. Es gibt keine Hinrichtungen mehr im Iran.“
Das sind keine „Sizdah-Bedar-Scherze“. Im iranischen Kulturkreis ist „Sizdah Bedar“ in gewisser Weise mit dem 1. April in westlichen Ländern vergleichbar. Ein Tag, an dem auch Scherze und erfundene Geschichten verbreitet werden. Seit mehr als sechzig Jahren wird diese Tradition von iranischen Journalist*innen gepflegt. Die zeitliche Nähe zum 1. April hat dazu beigetragen, dass an diesem Tag, der eigentlich ein Fest der Natur, der Freude und der Hoffnung auf Fruchtbarkeit ist, auch spielerisch mit Nachrichten umgegangen wird. Doch was hier gesagt wird, ist kein Scherz.
Film und Gespräch: The Sharp Edge of Peace
- Datum28. März 2026 19:00 – 21:30 Uhr
- Endstation Kino
- PreisEintritt frei
Am Samstag, den 28. März zeigen wir gemeinsam mit Seebrücke Bochum den Dokumentarfilm „The Sharp Edge of Peace“ (Original mit englischen Untertiteln) der afghanischen Regisseurin Roya Sadat. Anschließend findet ein Filmgespräch (auf Englisch) statt. Der Film begleitet vier mutige afghanische Frauen, die 2020 bei den Friedensverhandlungen mit den Taliban mit am Verhandlungstisch saßen – und trotz massiver Widerstände versuchten, Frauenrechte auch nach dem Abzug der internationalen Truppen zu verteidigen. Ihre Stimmen machen sichtbar, was in offiziellen Abkommen oft unsichtbar blieb: der Preis, den Frauen für geopolitische Deals zahlen sollten.
Frauentag
- Datum7. März 2026 11:00 – 14:00 Uhr
- Bongard-Boulevard
Am Samstag, den 7. März findet auf dem Bongard-Boulevard zwischen Kortumstraße und Bleichstraße wieder der Aktionstag zum Internationalen Frauentag statt. Von 11 bis 14 Uhr erwartet Sie ein buntes Programm unter dem Motto „Starke Frauen – starkes Bochum“, bei dem rund 40 Vereine und Verbände ihre Arbeit präsentieren. Amnesty International erinnert an die Proteste im Iran, die seit der „Frau Leben Freiheit“ Bewegung stark von Frauen getragen werden.
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No Other Land
- Datum3. Februar 2026 19:30 – 21:30 Uhr
- SKF Unikino an der Ruhr-Uni Bochum, HZO 20
In Kooperation mit dem Studienkreis Film (SKF) der Ruhr-Uni Bochum zeigen wir am Dienstag, dem 3. Februar im Uni-Kino den oscarprämierten Film „No Other Land“, der den Kampf um das Bleiberecht in Masafer Yatta, einer durch die israelische Siedlungspolitik bedrohten Gemeinde im Westjordanland, dokumentiert. Aus persönlicher Perspektive zeigt die Langzeitdokumentation die von Vertreibung, Gewalt und staatlicher Repression geprägte Alltagsrealität und legt offen, wie Ungerechtigkeit, Kontrolle und Widerstand zusammenwirken.
Der Film wird im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Es gibt eine kurze Einführung von Amnesty International und anschließend die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Achtung, das Gruppentreffen von Amnesty Bochum im Haus der Begegnung entfällt aufgrund der Filmvorführung!
Briefe gegen das Vergessen: Matsumoto Kenji
Matsumoto Kenji sitzt seit mehr als 30 Jahren in Japan im Todestrakt – trotz einer geistigen Behinderung. Er wurde 1993 zum Tode verurteilt, nachdem er für schuldig befunden worden war, gemeinsam mit seinem Bruder zwei Raubüberfälle und Morde verübt zu haben. Seit einigen Jahren setzen wir uns in Bochum für Matsumoto Kenji im Rahmen unserer Einzelfallarbeit ein, um seine Hinrichtung zu stoppen und die Todesstrafe in Japan abzuschaffen.
Aktuell macht Amnesty International im Rahmen der Briefe gegen das Vergessen auf sein Schicksal aufmerksam. Setz dich online oder mit einem Brief für Matsumoto Kenji ein!
Amnesty International wendet sich in allen Fällen vorbehaltlos gegen die Todesstrafe – ohne Ausnahme und unabhängig von der Art oder den Umständen des Verbrechens, der Schuld oder möglichen Unschuld, unabhängig von der Frage, was der Täter oder die Täterin für ein Mensch ist oder welche Hinrichtungsmethode ein Staat anwendet.
Tag der Menschenrechte: „Wofür protestierst du?“
- Datum10. Dezember 2025 18:00 – 20:30 Uhr
- Fritz Bauer Bibliothek
Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember 2025 lädt das Forum Tag der Menschenrechte zu einem Abend mit Musik, Inputs und Gesprächen ein. Gemeinsam wollen wir der Frage nachgehen, wofür Menschen protestieren und was ihnen in schwierigen Zeiten Hoffnung gibt, inspiriert von Artikel 20 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit schützt.
Neben Beiträgen von Mina (Amnesty International Bochum) und Ximena León (One Billion Rising) sowie einem Input zum Thema Protest gestaltet Jo den Abend musikalisch mit Protestliedern. Isabel Campos führt durch das Programm. Im Anschluss an die Beiträge gibt es Raum für Austausch und Gespräche mit dem Publikum.
Besucher*innen können in der Pause zudem eigene Buttons gestalten und so ihre Botschaften kreativ zum Ausdruck bringen.
Iran: Träume haben keinen Duft
- Datum10. Dezember 2025 16:00 – 19:30 Uhr
- Kunstmuseum Bochum
Eine multimediale Ausstellung über Protest, Erinnerung und Widerstand
Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte präsentieren wir gemeinsam mit der iranischen Filmemacherin, Forscherin und Doktorandin Solmaz Gholami im Kunstmuseum Bochum eine multimediale Ausstellung mit Filmen, Fotografien und Kunstwerken, die eng mit ihrer Dissertation verbunden sind. Die Arbeiten erzählen von den Stimmen der Dadkhahan (Suchende nach Gerechtigkeit) und dem Kampf der iranischen Bewegung «Frau, Leben, Freiheit» für Gerechtigkeit und Menschenwürde.








